Interview: Mark Wächter beim Mobile World Congress

Mark Wächter, Vorsitzender der Fokusgruppe Mobile, war beim Mobile World Congress und berichtet über die spannendsten Entwicklungen.

Virtual Reality soll Einzug in die Alltagswelt der Nutzer halten – diese Vision beschäftigt die Mobilbranche auf dem diesjährigen Mobile World Congress ganz besonders. Was kommt hier in Zukunft auf uns zu?

Mark Wächter: Virtual Reality (VR) und die passende Hard- und Software war eines der bestimmenden Themen auf dem MWC. Alle wichtigen Player haben ihr VR-Gear zum Ausprobieren angeboten mit Höhepunkten wie einer kollektiven Achterbahnfahrt von 100 Personen gleichzeitig – nur dass sie nebeneinander saßen – und einem Abtauchen in den Mariannengraben á la Jules Vernes in einem nachgebauten Yellow Submarine. Aber es gab auch eine Menge ernste Anwendungen wie von einem Start-Up aus Israel, dass Gerhirnverletzten eine neue Möglichkeit gibt, die virtuelle/reale Umwelt wieder neu zu erfassen und dabei sogar mit aufgesetzter VR-Brille die eigenen Hände zu sehen. Schon legendär ist das Bild von der Samsung-Pressekonferenz, auf dem ausgerechnet Marc Zuckerberg an einer Armee von VR-Zombies entlangschreitet – als einziger ohne Brille auf und mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Er hat wohl in dem Moment an die große Wette seines Konzerns auf dieses Thema gedacht.

Von welchen Neuerungen auf dem MWC erwartest du die größten Auswirkungen für die Digitale Wirtschaft in Deutschland?

Mark Wächter: Das Motto der diesjährigen Konferenz war “Mobile is Everything” und das konnte man an jeder Ecke, aber auch in jeder Tapas-Bar und auf jeder der wilden Parties spüren. Aber das Motto der kleinen Schwesterkonferenz des MWC in Schanghai später im Jahr, nämlich “Mobile is Me”, trifft es meines Erachtens noch besser. Mobile wird zum Teil unseres Körpers und unserer direkten Umgebung. Mobile ist immer da und umgibt mich. Mobile ist das Cockpit zur Steuerung der Digitalen Transformation. Ohne Mobile geht nicht nur in der Gesellschaft, sondern insbesondere in der Wirtschaft nichts mehr . Zentrale Themen des Kongresses wie der Roll-out der 5G-Netze in den nächsten Jahren, das Vordringen von Künstlicher Intelligenz auf unseren Smartphones und Smart Devices á la Cortana (Microsoft), Echo (Amazon), M (Facebook), Now (Google) oder Siri (Apple) sowie das allgegenwärtige Internet der Dinge mit seinen Myriaden von vernetzten Sensoren sind enorme Treiber der Digitalen Wirtschaft weltweit und natürlich insbesondere im Land der Ingenieure: Deutschland.

Welche Entwicklung im mobilen Bereich wird derzeit am meisten unterschätzt?

Mark Wächter: Am meisten unterschätzt wird die tatsächlich Größe und Relevanz des Mediums Mobile. Wenn man mit den maßgeblichen Playern im Mobile Marketing/Mobile Advertising auf dem MWC spricht, bestätigen sie diese Einschätzung. Mobile ist in wenigen Jahren zu einem enorm wichtigen Werbeträger geworden und wir im BVDW haben das Potential bereits vor 10 Jahren erkannt – was für das Marktgespür und die hohe Expertise des Verbandes für die Digitale Wirtschaft unterstreicht.

Als langjähriger Mobile-Experte und treuer MWC-Besucher: Was ist das Besondere am MWC und unterscheidet ihn von anderen Events?

Mark Wächter: Das war jetzt mein zehnter MWC und natürlich spiegelt sich in meinen Erfahrungen und Erlebnissen in den einzelnen Jahren die rasante Entwicklung wieder. Aber zu vorderst ist der MWC ein globales Familientreffen des Who-is-Who in der Branche mit enormer C-Level Präsenz. Es ist quasi ein Speed-Dating mit einigen 10.000 Teilnehmern in acht Hallen und der angeschlossenen 4YFN-Start-up-Konferenz. Für uns Nord- und Mitteleuropäer ist es auch ein Eintauchen in mediterranes Flair und zarte Frühlingssignale. MWC und Mittelmeer hat Tradition mit vorigen Stationen in Rom und Cannes. In den letzten Jahren fliegen immer mehr Manager aus anderen Branchen wie Automotive oder FMCG ein, um in vier Tagen den Mobile Tsunami zu spüren. Sie alle kehren heim mit einer zentralen Erkenntnis: Mobile is Everything!